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<title>Autogamie</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Autogamie</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Autogamie</b> (<a href="Griechische_Sprache" title="Griechische Sprache">gr.</a> αὐτό <i>autó</i> „selbst“, γάμος <i>gamos</i> „Ehe“), auch <b>Selbstbefruchtung</b> genannt, ist eine Form der <a href="Geschlechtliche_Fortpflanzung" title="Geschlechtliche Fortpflanzung">sexuellen Fortpflanzung</a>, bei der nur ein <a href="Elter" title="Elter">Elternteil</a> vorhanden ist oder genetisch zur Fortpflanzung beiträgt. Das bedeutet, dass ein <a href="Individuum#Biologie" title="Individuum">Individuum</a> in der Lage ist, sowohl weibliche als auch männliche <a href="Gamet" title="Gamet">Gameten</a> zu bilden. Durch Autogamie entstehen <a href="Genetik" title="Genetik">genetisch</a> nahe verwandte <a href="Nachkomme" title="Nachkomme">Nachkommen</a>, die aber – anders als bei <a href="Ungeschlechtliche_Vermehrung" title="Ungeschlechtliche Vermehrung">ungeschlechtlicher Vermehrung</a> – keinen identischen <a href="Genotyp" title="Genotyp">Genotyp</a> haben. Das liegt an den Teilungsschritten bei der Bildung der Eizellen (<a href="Oogenese" title="Oogenese">Oogenese</a>) und Spermienzellen (<a href="Spermatogenese" title="Spermatogenese">Spermatogenese</a>). Die Gameten werden durch die <a href="Meiose" title="Meiose">meiotischen</a> Teilungen vom Erbgut her verschieden. Dadurch entstehen bei den Befruchtungen in den <a href="Zygote" title="Zygote">Zygoten</a> unterschiedliche Genkombinationen. Die Möglichkeiten der <a href="Rekombination_(Genetik)" title="Rekombination (Genetik)"> genetischen Rekombination</a> sind allerdings deutlich geringer als bei aus verschiedenen Individuen hervorgehenden Nachkommen.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Autogamie_bei_Pflanzen">Autogamie bei Pflanzen</h2></div>

<p>Bei Blütenpflanzen führt die <a href="Selbstbest%C3%A4ubung" title="Selbstbestäubung">Selbstbestäubung</a> vielfach auch zur Selbstbefruchtung. Die <a href="Fremdbest%C3%A4ubung" title="Fremdbestäubung">Fremdbestäubung</a> ist allerdings bei den meisten Pflanzenarten die durch <a href="Fremdbest%C3%A4ubung#Mechanismen_zur_Förderung_der_Fremdbestäubung" title="Fremdbestäubung">Eigenheiten der Blüten</a> begünstigte Form der Bestäubung. Bei <a href="Bedecktsamer" title="Bedecktsamer">Blütenpflanzen</a> wird der Begriff Selbstbefruchtung nur für die <a href="Befruchtung" title="Befruchtung">Befruchtung</a> innerhalb derselben <a href="Bl%C3%BCte" title="Blüte">Blüte</a> benutzt. Voraussetzung hierfür ist, dass es sich um eine <a href="Hermaphroditismus" title="Hermaphroditismus">Zwitterblüte</a> handelt.
</p><p>Innerhalb der Art regelmäßig stattfindende Selbstbefruchtung ist relativ selten, sie tritt zum Beispiel in der <a href="Arachis_hypogaea" class="mw-redirect" title="Arachis hypogaea">Erdnussblüte</a> auf. Bleibt bei einer Pflanzenart die Blüte dabei geschlossen, so spricht man von <a href="Kleistogamie" title="Kleistogamie">Kleistogamie</a>. Die Befruchtung von anderen Blüten desselben Individuums oder von Blüten von <a href="Klonen" title="Klonen">Klonen</a> bezeichnet man als <a href="Geitonogamie" title="Geitonogamie">Geitonogamie</a>.
</p><p>Viele Pflanzenarten haben aufgrund menschlicher Aktivitäten selbsterhaltende Populationen außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets etabliert. Pflanzen mit der Fähigkeit zur Selbstbefruchtung können sich von einem einzigen Individuum ausgehend fortpflanzen und vermehren. Die Fähigkeit zur Selbstbefruchtung korreliert daher positiv mit der Wahrscheinlichkeit der Einbürgerung in einem Gebiet außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Zahlreiche Pflanzensippen sind fakultativ autogam. Ihre Blüten öffnen sich zuerst, um Fremdbestäubung zu ermöglichen. Falls keine Fremdbestäubung stattfindet oder auch bei ungünstigen Bedingungen erfolgt gegen Ende der <a href="Anthese" class="mw-redirect" title="Anthese">Anthese</a> (Blütezeit) eine Selbstbestäubung. Bei <i><a href="Oxalis_acetosella" class="mw-redirect" title="Oxalis acetosella">Oxalis acetosella</a></i> werden offene (<a href="Chasmogamie" class="mw-redirect" title="Chasmogamie">chasmogame</a>) und geschlossene, knospenartige kleistogame Blüten am gleichen Individuum gebildet. In mehreren <a href="Angiospermen" class="mw-redirect" title="Angiospermen">Angiospermenfamilien</a> ist eine fakultative und schließlich eine obligate Autogamie sekundär entstanden, so bei <a href="Brassicaceae" class="mw-redirect" title="Brassicaceae">Brassicaceen</a>, <a href="Violaceae" class="mw-redirect" title="Violaceae">Violaceen</a>, <a href="Boraginaceae" class="mw-redirect" title="Boraginaceae">Boraginaceen</a> und <a href="Asteraceae" class="mw-redirect" title="Asteraceae">Asteraceen</a> (z.&nbsp;B. <i><a href="Senecio_vulgaris" class="mw-redirect" title="Senecio vulgaris">Senecio vulgaris</a></i>). Sie ist insbesondere bei <a href="Therophyt" title="Therophyt">Therophyten</a> ausgebildet und hier vor allem bei <a href="Unkraut" title="Unkraut">Unkräutern</a>, bei <a href="Pionierpflanze" title="Pionierpflanze">Pionierpflanzen</a> und bei Sippen in extremen Lebensräumen, in denen die Bestäuber weitgehend fehlen. In <a href="W%C3%BCste" title="Wüste">Wüsten</a>, subarktischen und alpinen Regionen ist Autogamie vielfach die einzige Möglichkeit, um eine <a href="Frucht" title="Frucht">Fruchtbildung</a> zu gewährleisten. Auch in zeitlich begrenzt zur Verfügung stehenden Habitaten ist es von Vorteil, wenn unabhängig von Blütenbesuchern aus Einzelpflanzen rasch Populationen aufgebaut werden können. Dabei wird die relative genetische Einheitlichkeit durch <a href="Modifikation_(Biologie)" title="Modifikation (Biologie)">modifikatorische</a> Plastizität kompensiert. Trotz negativer Folgen wie Inzucht, gesenkte Rekombinationsrate und eingeschränkte Variationsbreite, scheint die Autogamie für einen gewissen Zeitraum vorteilhaft zu sein, um sich in einem Habitat auch unter ungünstigen Bedingungen behaupten zu können.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Autogamie_bei_Tieren">Autogamie bei Tieren</h2></div>

<p>Autogamie tritt außer bei Pflanzen auch bei verschiedenen Tiergruppen auf (z.&nbsp;B. <a href="Echte_Bandw%C3%BCrmer" title="Echte Bandwürmer">Echte Bandwürmer</a> oder <a href="Tellerschnecken" title="Tellerschnecken">Tellerschnecken</a>), allerdings findet sie sich insgesamt eher seltener als bei Pflanzen.
</p><p>Viele <a href="Nacktschnecke" title="Nacktschnecke">Nacktschnecken</a> sind <a href="Hermaphroditismus#Hermaphroditismus" title="Hermaphroditismus">Zwitter</a>, die sich bei der Kopulation gegenseitig befruchten. Manche Arten, beispielsweise die <a href="Hellbraune_Wegschnecke" title="Hellbraune Wegschnecke">Hellbraune Wegschnecke</a>, besitzen darüber hinaus die Fähigkeit zur Selbstbefruchtung in Abhängigkeit von den Bedingungen und der Stabilität des Habitats.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>

<p><a href="Lumbricus_terrestris" class="mw-redirect" title="Lumbricus terrestris">Regenwürmer</a> sind ebenfalls „echte Zwitter“, die sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsorgane besitzen (<a href="Hermaphroditismus" title="Hermaphroditismus">Hermaphroditismus</a>). In Ausnahmefällen sind sie dazu in der Lage, ihre <a href="Eizelle" title="Eizelle">Eizellen</a> mit eigenen <a href="Spermien" class="mw-redirect" title="Spermien">Spermien</a> zu befruchten. Normalerweise suchen sie sich aber einen Partner, mit dem sie ihre Spermien austauschen.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Autogamie_bei_Pilzen">Autogamie bei Pilzen</h2></div>
<p>Selbstbefruchtung kommt auch bei <a href="Pilze" title="Pilze">Pilzarten</a> vor, wenn sie in ihren <a href="Hyphe" title="Hyphe">Pilzhyphen</a> verschiedengeschlechtliche <a href="Gametangium" title="Gametangium">Gametangien</a> besitzen, beispielsweise bei manchen <a href="Echte_Schlauchpilze" title="Echte Schlauchpilze">Ascomycota</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Geschlechtliche_Fortpflanzung" title="Geschlechtliche Fortpflanzung">Geschlechtliche Fortpflanzung</a></li>
<li><a href="Ungeschlechtliche_Vermehrung" title="Ungeschlechtliche Vermehrung">Ungeschlechtliche Vermehrung</a>, <a href="Parthenogenese" title="Parthenogenese">Parthenogenese</a></li>
<li><a href="Selbststerilit%C3%A4t" title="Selbststerilität">Selbststerilität</a>, <a href="Selbstinkompatibilit%C3%A4t_bei_Pflanzen" title="Selbstinkompatibilität bei Pflanzen">Selbstinkompatibilität bei Pflanzen</a></li>
<li><a href="Pflanzenz%C3%BCchtung" title="Pflanzenzüchtung">Pflanzenzüchtung</a>, <a href="Nutzpflanzen" class="mw-redirect" title="Nutzpflanzen">Nutzpflanzen</a>, <a href="Saatgut" title="Saatgut">Saatgut</a></li>
<li><a href="Heterothallie" title="Heterothallie">Heterothallie und Homothallie</a> bei Pilzen</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Mialy Razanajatovo, Noëlie Maurel, Wayne Dawson et al.: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.nature.com/articles/ncomms13313"><i>Plants capable of selfing are more likely to become naturalized.</i></a> In: <i>Nature communications.</i> Bd. 7, 2016.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Wolfgang_Frey" title="Wolfgang Frey">Wolfgang Frey</a>, <a href="Rainer_L%C3%B6sch" title="Rainer Lösch">Rainer Lösch</a>: <i>Grundlagen der Ökologie von Populationen und Pflanzengesellschaften.</i> In: <i>Geobotanik.</i> S. 321–357.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://animaldiversity.org/accounts/Arion_subfuscus/"><i>Arion subfuscus. Reproduction (auf engl.)</i></a> Animal Diversity Web, abgerufen am 9. September 2021</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">David W. Foltz, Howard Ochman et al.: <i><a rel="nofollow" class="external text" href="https://academic.oup.com/biolinnean/article-abstract/17/3/225/2666186?redirectedFrom=fulltext">Genetic population structure and breeding systems in arionid slugs (Mollusca: Pulmonata)</a></i>. In: <i>Biological Journal of the Linnean Society</i>. Band 17/3, Mai 1982, S. 225–241</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://hypersoil.uni-muenster.de/1/02/38.htm"><i>Regenwürmer; Fortpflanzung und Entwicklung</i></a> Uni Münster. Abgerufen am 22. Juni 2021.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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